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  • Simon Steiner

Mehr Platz und Ordnung: So findest du heraus, was weg muss und was bleiben darf.

Aktualisiert: 8. Feb.

In diesem Beitrag geht es darum, wie etwas rotes Klebeband dabei hilft, das Unwichtige vom Wichtigen zu trennen und so mehr Platz und Ordnung auf dem Betrieb zu schaffen.


Ist das Kunst, oder kann das weg?

Um einen klaren, geordneten Betrieb zu haben, braucht es mehr, als hin und wieder aufzuräumen, oder zu fegen.

Eine gewisse Denkhaltung hilft, um weniger zu suchen, mehr Zeit für das Wesentliche zu haben und nicht ständig über irgendwas zu stolpern das dort nicht hin gehört.


Zugegeben: ich habe bestimmt zwei Stunden mit Suchen verbracht, weil ich ein bestimmtes Buch nicht finden konnte, das ich für meine Arbeit brauche. Zwei Stunden! Ich habe es nicht gefunden. Das liegt möglicherweise daran, dass ich mich selbst nicht an bestimmte Ordnungsregeln gehalten habe. Zum Beispiel, dass alles wieder an seinen Platz zurück gelegt werden sollte, nachdem man es benutzt hat. Deshalb will ich mich wieder mehr dran erinnern:


Im japanischen "Lean" (bzw. für uns wichtigeren "Lean-Farming")-Ansatz gibt es eine Methode, die nennt sich


Die 5S-Methode.


Diese fünf S stehen für:

  1. Seiri: Sortieren

  2. Seiton: In Ordnung bringen

  3. Seiso: Glänzen lassen

  4. Seiketsu: Standardisieren

  5. Shitsuke: Erhalten

Nur fünf Begriffe. Hinter jedem steht eine ganze Philosophie. Ich will heute nur einen kleinen Trick des ersten S – Seiri: Sortieren – verraten:


Der Rote-Fähnchen-Bereich


Manchmal ist es schwer zu erkennen, was wirklich gebraucht wird. Manche Dinge sehen wichtig aus, weil sie immer im Weg herum stehen. Andere haben vor Jahren mal viel Geld gekostet und man denkt, in 10 Jahren könnten diese immer noch von großem Wert sein, also lässt man sie weitere 10 Jahre ungenutzt vor sich hin gammeln und Platz verschwenden anstatt sie jetzt noch schnell zu verkaufen oder zu verschenken.


Auf einem schlanken, und zukunftsfitten Betrieb passiert das nicht. Die Mitarbeitenden fragen sich bei jedem fragwürdigen Gegenstand:


Wird dieses Teil wirklich benutzt?

Wenn ja, wird es oft genutzt?

Wenn ja, muss es wirklich hier stehen?


Nach einer Woche sieht ein Raum ganz anders aus. Es gibt weniger Zeug, das rumsteht, manche Dinge stehen an einem sinnvolleren Ort, andere Dinge sind entsorgt oder verkauft.


Noch effizienter aber:

Bei allem, wo man sich wirklich nicht sicher ist, oder es sich um Werkzeuge oder Geräte handelt, die vielleicht nur einmal in der Saison zum Einsatz kommen, macht man ein Fähnchen aus rotem Klebeband dran. Ein Red Tag. Jedes Mal, wenn man eines dieser Geräte oder Werkzeuge benutzt, macht man den roten Klebestreifen ab. Dann weiß man: das Werkzeug wurde benutzt.


Nach einem Monat nimmt man alle Gegenstände, die noch einen roten Zettel haben (also nicht benutzt wurden) und auf dem Betrieb oder in Verarbeitungsräumen herum stehen und stellt sie in einen eigenen Bereich: Den Rote-Fähnchen-Bereich (oder so).


Nach einem Jahr schaut man sich den Rote-Fähnchen-Bereich an: Alles, was noch in diesem Bereich steht, wurde ganz offensichtlich nicht benutzt. Und wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch ein weiteres Jahr nicht zum Einsatz kommen. Also verbraucht es Platz, Zeit, Geld, Energie und Gedanken und darf gern den Besitzer oder die Besitzerin wechseln.


Du wirst staunen, wie gut sich das anfühlt und wie viel Platz du plötzlich hast. Mache dies 1x im Jahr. So kannst du gewährleisten, dass der Hof frei und ordentlich bleibt.



Einen


Bonus-Tipp


habe ich noch. Weil du so schön bis hier hin gelesen hast.


Die wahren Kosten, alles aufzubewahren:

Alles, was du aufbewahrst, verursacht Kosten. Selbst, wenn diese Kosten nicht klar ersichtlich sind. Jedes Mal, wenn du dich um einen Gegenstand kümmerst, der nicht Teil deiner derzeitigen Arbeit ist – jedes Mal, wenn du ihn reinigst, darüber stolperst, ihn aus dem Weg räumst, ja selbst, wenn du nur dran denkst – macht du eine Investition in diesen Gegenstand. Der Gegenstand kostet dich Zeit und Geld! Mit der Zeit häuft sich das. Wenn du einen Beweis brauchst, dann kannst du diese und andere Kosten dieser Art ausrechen.


Nimm eine Stoppuhr und stoppe die Zeit!

  • Jedes Mal, wenn du einen Raum säuberst, um unbenutzte Dinge darin aufzubewahren

  • Jedes Mal, wenn du etwas aus dem Weg räumst, um an etwas anderes ran zu kommen

  • Jedes Mal, wenn du etwas suchst (wie ich heute das Buch)


Schreibe die Kosten auf, die dich ein Raum kostet, in dem Zeug steht, das niemand benutzt!


  • Denke an das Dach, das irgendwann geflickt werden muss

  • Denke an die Energiekosten, den Strom um den Raum zu beleuchten

  • Denke an die (wahrscheinlich fossile) Energie, die du verfeuerst um den Raum zu heizen

  • Denke an die Farbe, mit der du den Raum streichst

  • Denke an die Arbeitszeit und Kraft, die es kostet, diesen Raum instand zu halten

  • ...


Na, überrascht? Ich auch.


Und jetzt überlege mal, was dieser Raum dich an Miete kosten würde, wäre er nicht Teil des Betriebs. Würdest du diesen Raum mieten um alles was drin steht in ihm zu lagern? Genau.


Es grüßt dich wie immer aufs Herzlichste und wünscht angenehmes Ordnung schaffen,

Dein Simon


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