Suche
  • Simon Steiner

Viel Zeit sparen und unnütze Tätigkeiten erkennen – mit dem Spaghetti-Diagramm!

Aktualisiert: Jan 9


In diesem Artikel geht es darum, wie man unnötige Verschwendung erkennt und mit einem simplen Tool beseitigen kann.

Auf einem Bauernhof wird viel verschwendet. Aber auf einem schlanken und gut organisierten Betrieb geht es auch viel darum, Verschwendung zu erkennen und zu reduzieren.

Verschwendung, das ist nicht nur die verlorene Ernte auf der Straße, oder die verschüttete Milch. Verschwendung auf einem Bauernhof lässt sich der Lean-Farming-Logik folgend in acht Typen einordnen.

1. Defekt

Defekte Dinge, die die Arbeit erschweren oder verlangsamen, oder falsche Prozesse, über die Dinge und Arbeitsgeräte kaputt gehen, sind Verschwendung. Zu kleine Scheunentore durch die man nicht fahren kann, sind ein Defekt im Betriebssystem. Also Verschwendung. Schlechte Tierhaltung, die kranke Tiere verursacht ist Verschwendung. Von Zeit, von Energie, von Tierwohl.

2. Überproduktion

Wenn wir zu viele Kartoffeln angebaut haben, die wir nicht verkauft bekommen, oder diese mit Rabatten verramschen müssen, dann ist das Verschwendung. Verschwendung von Zeit, von Ackerfläche, von Arbeit, von Geld, von Lagerfläche, von Kartoffeln. Und von der guten Laune derer, die unnötige Arbeit machen mussten.

3. Wartezeiten

Der Treckerfahrer, der zu früh am Mähdrescher ankommt, wartet. Das kostet Diesel, Zeit, Geld und Arbeitskraft, die anderswo gebraucht wird: Verschwendung! Jemand, der langsam fließendes Wasser in einen Tank füllt und eine Viertelstunde dabei zuschaut, betreibt Verschwendung.

4. Ungenutztes Talent

Wir können von Verschwendung reden, wenn ein Betriebsleiter nur die Hände, aber nicht den Kopf seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sieht. Es ist auch Verschwendung von Können, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin keine Aufgaben bekommt, die dem Bildungsstand oder der Erfahrung gemäß sind.

5. Transport

Wir können von Verschwendung reden, wenn du für deinen Betrieb zu große Maschinen verwendest. Oder mit einer zu kleinen Maschine zu oft dieselbe Strecke fährst. Es ist Verschwendung, wenn die Tiere an verschiedenen Stellen untergebracht sind und man regelmäßig mit einem leeren Wagen herumfährt.

6. Lagerbestände

Zu viel Futter zu haben, ist Verschwendung. Es wird mit der Zeit nicht besser und besetzt wichtige Lagerflächen.

Es ist Verschwendung, 1000 Ersatzteile zu haben, die nur rumliegen, oder sich bei allem zu denken, man könne es in 10 Jahren noch mal gebrauchen und deshalb aufzuheben. Das verschwendet Platz, verursacht unnötige Suchzeiten und Aufräumzeiten (und kommt spätestens bei der nächsten Hofübergabe ohnehin in den Container)

7. Unnütze Bewegungen

Wenn Dinge keinen festen Platz haben, ist das Verschwendung, denn man verschwendet unnötig Zeit, diese zu suchen (geht uns immer so mit der Kleberolle). Auch, wenn Werkzeug nicht zurück an seinen Platz gebracht wird, muss gesucht werden. Das ist Verschwendung. Extra aus dem Schlepper steigen zu müssen, weil Zeug im Weg rumliegt, ist Verschwendung.

8. Extra-Arbeit

Das Dach des Traktors zu putzen ist Verschwendung. Es spielt keine Rolle, ob das Dach sauber oder dreckig ist. Dinge zu tun, nur um sie zu tun, ist Verschwendung. Oder Dinge zu tun, die anfallen, weil die Prozesse nicht richtig laufen (zB den Boden des Aufenthaltsraumes zwei mal täglich zu reinigen, weil an der Tür kein Schild steht, dass die Schuhe ausgezogen werden müssen), verursachen Verschwendung.

Es gibt unzählige Beispiele für Verschwendung auf Höfen. Und tolle Tools, diese zu erkennen und zu eliminieren. Damit kann unendlich viel Zeit, Geld und Frust gespart werden. Selbst die kleinsten Dinge können beeindruckende Ressourcen frei setzen.

Im folgenden Beispiel geht es um unnütze Bewegungsabläufe. Und wie es mit einer winzig kleinen Veränderung gelungen ist, Tage an verschwendeter Arbeit einzusparen.

Überall provozieren gewachsene Strukturen, gefährliche Gewohnheiten ungünstige Hof- oder Raumaufteilungen Leergänge, zu viele Arbeitsschritte, oder weite Wege. Um diese schnell zu erkennen, kann man ein Spaghetti-Diagramm anfertigen.

Und das geht so:


Für einen Arbeitsprozess, der regelmäßig durchgeführt wird, nimmt man ein Blatt Papier, auf dem der Grundriss des Raumes eingezeichnet ist.

Ein Mensch führt die Arbeit aus, wie er es gewohnt ist, oder es ihm gesagt wurde. Ein weiterer Mensch schaut aufmerksam zu und zeichnet mit einem Stift auf dem Papier die Strecke nach, die der andere Mensch sich bewegt. Also jeder Gang, jede Bewegung eine Linie. Am Ende des Arbeitsganges ist das Papier voller Linien, die oft aussehen, wie ein Teller Spaghetti. Daher der Name.

Nun kann man dieses Papier auswerten. Es zeigt sehr schnell, wo häufig lange oder unnütze Wege gegangen wurden. Hier kann man nun schauen, warum sie gegangen wurden, ob sie notwendig waren und wie sich diese verkürzen oder vermeiden lassen. Oft reicht es schon, ein, zwei Möbelstücke anders zu platzieren, sodass man alles Nötige für den Prozess schnell griffbereit hat.

Ein wirklich lustiges Beispiel aus dem Lager der Präparatekiste:

Der Packraum ist sehr klein, sodass man glaubt, hier ließe sich nichts optimieren. Trotzdem wurde ein Spaghetti-Diagramm angefertigt. Hierbei fiel sehr schnell auf, dass inmitten der Bearbeitung einer Bestellung immer ein Gang quer durch den Raum stattfand, der schwer nachzuvollziehen war, denn eigentlich war immer alles an seinem Platz.

Wir haben wir die 5x-Warum-Methode angewendet (die wir in diesem Beitrag vorgestellt haben).

1. Warum muss der Mitarbeiter bei jeder Bestellung quer durch den Raum gehen?

– Weil er am Computer das Bild weiter scrollen muss.

2. Warum muss der Mitarbeiter das Bild weiter scrollen?

– Weil er sonst nicht die komplette Bestellung einsehen kann.

3. Warum kann er die gesamte Bestellung nicht einsehen?

– Weil der Bildschirm zu klein ist, um alles darzustellen.

Nach nur drei mal warum fragen, lag die Antwort bereits auf dem Tisch. Der geschenkte Bildschirm war 15 Jahre alt und viel zu klein um die Bestellungen komplett anzuzeigen. Er schien zu funktionieren und an einem neuen Bildschirm wollte man sparen. Nach tieferer Analyse wurde festgestellt, dass pro Packtag 15 Minuten überflüssiger Arbeit zusammen kamen.

Bei zwei Packtagen die Woche waren das 30 Minuten die Woche. Auf das ganze Jahr gerechnet sind das mehr als drei volle Arbeitstage! Der neue, größere Bildschirm stand noch am selben Tag auf dem Tisch.

Diese drei gewonnenen Arbeitstage können nun viel sinnvoller genutzt werden. Z.B. als zusätzlicher Urlaub, für eine Fortbildung, für sinnvollere Arbeit.

Nun überlegt mal, wie viel Zeit ihr auf eurem Betrieb auf das Jahr gerechnet einsparen könnt, wenn jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter nur 15 Minuten am Tag für unnötige Bewegungsabläufe vermeidet! Ja, wir waren auch überrascht!

Deshalb: Spart nicht an der falschen Stelle und nutzt das Spaghetti-Diagramm!

Euer Simon

257 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

In diesem Beitrag geht es darum, wie man mit einer simplen Methode die Ursachen immer wiederkehrender Probleme findet und behebt. "Mensch...